Privacy-Management versus Online-Reputation-Management

Die Euphorie um die sozialen Netzwerke wie Facebook, Xing & Co ist groß. Oft übersehen wird dabei, dass der Schutz persönlicher Daten erheblich leidet. User können das, was sie einmal veröffentlicht haben, nur eingeschränkt auch wieder zurücknehmen. Und die Netzwerke gehen mit den ihnen anvertrauten Daten oft nicht sonderlich sorgsam um.

Im Spiegel beschreibt eine Studentin ihren digitalen Selbstmord: Sie hat sich aus Xing, Facebook und StudiVZ verabschiedet. Dass dies gar nicht so leicht möglich ist, erlebte der Werbeblogger bei seinem Ausstieg von Facebook: Es ist praktisch nicht möglich, seine gesamten Daten zu löschen.

Professor Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern veröffentlichte dazu einen etwas langen, aber sehr interessanten Beitrag bei Deutsche-Startups.de.

Manche Formulierung mag überzogen sein, aber wir brauchen definitiv mehr Privacy-Management im Web.

Das bedeutet zunächst mehr Bewusstsein auf der individuellen Ebene: Das, was man online stellt, sollte gut überlegt sein. Und in zweiter Linie ist ein besserer rechtlicher Rahmen nötig. Es muss möglich und garantiert sein, komplett aus Netzwerken auszusteigen, inklusive dem Löschen sämtlicher Daten.

Adbusters: The One Flag

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One Flag - Vorschlag von Anna Logan

One Flag - Vorschlag von Anna Logan

Adbusters, eine NGO, die sich kritisch mit der Konsum- und Werbewelt auseinander setzt, lädt ein zum “Vote for the One Flag that embodies the idea oft global citizenship”. Bis 17. März 2009 kann jeder seine Stimme abgeben – 32 Entwürfe stehen zur Auswahl. Mein persönlicher Favorit stammt von Anna Logan aus New Orleans und ist bewusst nicht regenbogen-farbig.

Adbusters: Vote for the One Flag

Mobile soziale Netzwerke & Web 5.0

Ziemlich ungeplant entwickelte sich SMS damals zur Killer-Applikation am Handy, die bis heute keinen wirklichen Nachfolger fand. Video-Telefonieren wurde überhaupt zum Flop und von Bewegtbild am Handy hört man seit der Fußball-EM auch nichts mehr.  Aber vielleicht wird jetzt alles ganz anders. Die Social Networks haben zuletzt einen enormen Aufstieg erlebt. Fast jeder 20-Jährige ist bereits bei Facebook, MySpace & Co. zu finden. Und jetzt sind es auch schon die 40-Jährigen, schreibt die Wiener Stadtzeitung Falter in der aktuellen Ausgabe ;-).

Bislang aber noch nicht mit dem idealen Zugangsweg. Denn das beste Gerät, soziale Kontakte übers Netz zu pflegen, ist eigentlich nicht der Laptop, sondern das Smartphone. Und so wird allerortens schon an der großen mobilen Vernetzung gearbeitet. Der Start von Googles G1 war dazu das letzte Beispiel. Wem das alles zu heftig klingt, der klicke besser nicht auf Linktipp Nr. 2 zu “Web 5.0″.

> Mehr dazu:

Digitalpublic: Soziale Netzwerke Mobil – Der größte Markt der Zukunft

Australia.TO: Future of The Web- Will Web 5.0 Take Control?

Verstaatlichung als Ausweg für US-Zeitungen?

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Newsroom von Le Figaro (Quelle: Gabju)

Zeitungen wie die New York Times sollten in geförderte Non-Profit-Organisationen verwandelt werden, fordern die beiden Finanzanalysten David Swensen und Michael Schmidt als Lösung für die aktuelle Print-Medienkrise, die die Meinungs- und Pressefreiheit gefährde. In einem Gastkommentar in der New York Times vom 28. Jänner 2009 veranschlagen sie für die New York Times eine jährliche Unterstützung von fünf Milliarden Dollar. Damit haben sie eine Diskussion gestartet, der sich auch Steven Coll, zweifacher Pulitzer-Preisträger und ehemaliger Mitherausgeber der Washington Post, anschließt: Er kalkuliert mit einer jährlichen Förderung von zwei Milliarden Dollar für die Washington Post, berichtet die ORF Futurezone.

Das Thema reicht aber bereits weiter zurück: Die Journalistin Bree Nordenson setzte sich bereits im August 2008 mit den finanziellen Problemen der Print-Medien durch die Konkurrenz des kostenlosen Online-Contents auseinander – und ihre Forderungen waren durchaus ähnlich ungewöhnlich für US-Verhältnisse (auf K2 war darüber zu lesen).

> Mehr dazu:

K2: Die Antworten deutscher Verlage auf die Finanzkrise

WebWriting-Magazin: Wie klassiche Medien online mehr Geld verdienen könnten

Neues Handbuch von Dialog-Experte Torsten Schwarz

Torsten Schwarz hat Ende 2008 ein neues Handbuch zum Thema Dialog-Marketing herausgebracht.  Wer gerne in überschaubaren Happen Wissen tankt, wird damit sicher zufrieden sein. Schwarz versammelt in seinem “Leitfaden Dialogmarketing” mehr als 80 Experten zu fast allen Themen:  von Werbewirkung über das  Texten bis zum Aufbau einer Kundendatenbank.

E-Mail-Marketing hätte meiner Meinung nach mehr Platz verdient, findet sich aber zumindest in einigen recht interessanten Case Studys, die vielleicht überhaupt zum Besten des Buches gehören, als aktuelle Beispiele zum State of the Art.

Torsten Schwarz (Hrsg.)
Leitfaden Dialog-Marketing
536 Seiten, Preis: 29,90 Euro

Google – der Spion, den wir lieben

So titelt die letzte Ausgabe der Wochenzeitung “Die Zeit” und bringt damit gut auf den Punkt, dass Google trotz zunehmender kritischer Stimmen (Googlefalle) viele Herzen  noch immer höher schlagen lässt. Dazu präsentiert sich das Unternehmen einfach zu geschickt mit der Prämisse “Don’t be evil”.  Was immer von solchen Floskeln zu halten sein mag  (die natürlich keinerlei langfristige Verbindlichkeit haben), das aktuelle Interview mit Gründer Larry Page in der Zeit zeigt, wie effizient Google an seiner Informationsmacht arbeitet.

Quelle: www.googlefalle.com

Quelle: www.googlefalle.com

Vor diesem Hintergrund ist auch der aktuelle Launch von Googles Handy G1 mit dem eigenen Betriebssystem Android zu sehen. Ob das Handy selbst Gewinne abwerfen wird, ist völlig sekundär. Es muss schlichtweg den Geschmack der Mehrheit der Nutzer treffen, um genügend Marktanteile zu erreichen. Denn primär geht es darum, auch beim mobilen Surfen den Ton anzugeben – und hier die Dominanz nicht an die Betriebssysteme von Nokia, Apple & Co. zu verlieren. Zum Start in Österreich startete T Mobile eine eigene Mobile-Blogging-Plattform – die Idee dazu kam von der Agentur Ambuzzador. Gute Idee, Top-Blogger wie Hannes Treichl sind allerdings nicht dabei.

Ja, Google hat tolle Angebote, für viele gibt es derzeit keine Alternative. Für mich zählen beispielsweise die Google News und die damit verbundenenen E-Mail-Alerts dazu. Gerade dieses Tool hat zuletzt auch Aufregung verursacht: Die Aktie von United Airlines stürzte dramatisch ab, weil bei Google News irrtümlich eine alte Nachricht aus dem Jahr 2002 zu finanziellen Problemen des Unternehmens als aktuelle Meldung übernommen wurde. Das Wirtschaftsmagazin brand eins berichtete im November 2008 darüber. Im selben Monat lief auch ein Beitrag beim NDR-Magazin Zapp. Darin wurde die fehlende Differenzierung zwischen werblichen und rein journalistischen Inhalten bei Google News kritisiert. Der darin zitierte PR-Profi Ulf-Hendrik Schrader hat dazu auf seinem Blog danach eine eigene Stellung bezogen.

Die Zeit ortet bei der Produktpolitik von Google eine klare Tendenz: Neue Angebote zielen primär darauf ab, persönliche Informationen des Nutzers in Erfahrung zu bringen – und ihm dadurch passendere Werbung zu präsentieren, die natürlich zu höheren Preisen verkauft werden kann. Sei es die individuelle Startseite iGoogle oder der Internet-Browser Chrome, der über jede besuchte Web-Seite Informationen an den Konzern sendet. Oder der E-Mail-Dienst Gmail, der die Post seiner Nutzer auswertet, um passende Anzeigen zu platzieren.

In Summe baut sich Google damit eine enorme Informationsmacht auf, die zu einem gefährlichen Monopol werden kann. Bewusst öfters Alternativen einzusetzen (und damit zu fördern) ist notwendig.

> Mehr dazu:

Interview mit Dr. Karl Pall, Countrymanager Google Österreich, bei Online-Marketing-Blog

Zeit.de: Leben ohne Google

Nachtrag: Computerwelt.at zu Handy-Betriebssystemen

Was weiß das Netz über mich?

Digital Reputation Management ist angesagt – spätestens seit immer mehr Personalmanager das Netz durchsuchen, um mehr über BewerberInnen zu erfahren.

Eigene Portale spezialisieren sich auf die Suche nach personenbezogenen Daten, wie zum Beispiel:

www.123people.com
www.yasni.de (Deutschland)
www.zabasearch.com (USA)

Mehr dazu:
“Reputation als Erfolgsfaktor” (PR-Blogger)
“Exhibitionismus in Social Networks” (PR-Blogger)
“Vom Ego-Googeln zum Reputionsmanagement” (Viralmythen)

brand eins über PR: zu Interessen stehen

Den Themen Kommunikation und PR ist die Februar-Ausgabe von brand eins gewidmet. Der Schwerpunkt erfreut zum Intro mit einem Blick in den Papierkorb der Redaktion – da tummeln sich viele abstruse Themen-Angebote . Wie in vielen anderen Medien auch, die darüber immer wieder mal Dampf ablassen.

Das Unangenehme daran: Inmitten dieses ganzen E-Mülls geht so manches brauchbare Thema unter. Einfach, weil man als Journalist genervt ist.  Und mit der Selektion aus dieser Überfülle überfordert ist. Die großen Namen erwischt es dabei natürlich weit seltener als kleinere und unbekanntere Unternehmen. Das und die neue Welt der Social Media machen PR-Arbeit weiterhin recht herausfordernd und spannend.

Gabriele Fischer schreibt im Editorial von brand eins: “Journalisten wollen was rauskriegen, PR-Leute wollen was reindrücken.” Wolf Lotter widmet unter dem Titel “Propaganda” genau dem einen ausführlichen Essay.

Darin fordert er die Public Relations dazu auf, sich von hübsch ethisch ausgestalteten Kodices und ihren Ansprüchen nach “Objektivität”, “Authentizität” und “Wahrhaftigkeit” zu verabschieden: “Klartext wird gebraucht, also jene PR, die nicht so tut, als sei sie allem und jedem verpflichtet, sondern eine PR, die Interessen klar und deutlich vertritt.”

Denn genau dann erfüllten  sie ein urdemokratisches Prinzip: dem Aushandeln von Interessen.  Und nur genau dann wären Gespräche auch interessant, wenn die unterschiedlichen Interessen deutlich werden. Schließlich gelte auch: “Das Gegenteil von Interesse ist uninteressant.”

Damit widerlegt Lotter allerdings nur den Anspruch nach Objektivität. Das zwar zu Recht – auch in meiner PR-Arbeit ist immer klar, wessen Interessen ich vertrete. Die beiden anderen Postulate  nach Authentizität und Wahrhaftigkeit erachte ich jedoch als essenziell: PR-Arbeit muss immer das Selbstverständnis des Unternehmens widerspiegeln und Kommuniziertes muss wahr sein – alles andere führt auf die Dauer zu keinem erfolgreichen Ergebnis.

Dafür ist der Beitrag über die Kommunikations-Probleme der Fluglinie Quantas in der Februar-Ausgabe von brand eins das beste Beispiel.

> Mehr dazu:

brand eins Feber 2009

How Web 2 are you?

Rollyo Logo“How Web 2 are you?”, fragt Quizible. Anhand von Ausschnitten aus  Logos und Symbolen kann man testen, wie sehr man in der neuen Welt des Internets bereits zu Hause ist.

Mein Score waren gerade mal 9 von 34 möglichen Punkten. Dabei war ich zuerst recht begeistert, weil ich gleich zu Beginn der 2. Zeile das Rollyo-Logo erkannt habe.  Mit der Schadenfreude aber noch warten und erst einmal selber versuchen! Denn bei der Auswahl der Symbole dürfte es einfacher sein, alle Punkte zu machen, wenn man in New York  und nicht in Wien wohnt.

Die Kronen Zeitung und ihre fleißigsten Leserbrief-Schreiber

Top Schreiber Kronen Zeitung

Top Schreiber von Leserbriefen in der Kronen Zeitung 2008. Quelle: Blog Wissen belastet, Max Kossatz.

Allerortens wird über Bürger-Journalismus diskutiert. Die größte Zeitung Österreichs hat dieses Thema auf ganz eigene Weise gelöst: In der Rubrik “Das freie Wort. Briefe an den Herausgeber” veröffentlicht die Kronen Zeitung online die abgedruckten Leserbriefe – mit einigen regelrechten Stars. So bringt es Franz Köfel auf 139 Veröffentlichungen im Jahr 2008 und sein Kollege Franz Weinpolter immerhin auf 137. Das hat Max Kossatz vom Blog Wissen belastet gezählt.

Er hat sich am vergangenen Sonntag noch mehr Arbeit gemacht und auch die Themen sowie die zitierten Personen analysiert. Die ÖVP dominiert demnach durchgängig die Inhalte der Leserbriefe. Eine Grafik zum Themenfluss zeigt das ganz eindeutig. Weitere Details zu den beliebtesten Themen, Schauplätzen und Hauptdarstellern finden sich bei Wissen belastet.

Was mir in dem Zusammenhang auch noch einfällt: Vor einiger Zeit hat sich jemand einmal die Mühe gemacht und die Namen der Leserbrief-Schreiber im Telefonbuch gesucht. Die Ausbeute war äußerst dürftig.